Kommentar: „Unterhaltende Propaganda“

Kommentar zur PUNKT. Ausgabe 01/2017

Der PUNKT. soll jedem und jeder ohne Einschränkung die Möglichkeit geben, Gedanken und Positionen zu äußern. Gerne unterstützen wir von der StV KoWi auch Diskussionen und freuen uns, wenn sich gerade bei aktuellen Themen verschiedene Seiten zu Wort melden und Stellung beziehen.

Prof. Dr. Martina Thiele vom Fachbereich Kommunikationswissenschaft hat sich nach Erscheinen der letzten Ausgabe des PUNKT. die Mühe gemacht und einen Kommentar auf den Beitrag von Maximilian Wagner „Wessen Uni – unsere Uni? Warum der Film ‚Die Feuerzangenbowle‘ zu lustig für den Unipark ist“ (S. 61, Ausgabe 1/2017) verfasst. In diesem hatte Maximilian kritisiert, dass der deutsche Film „Die Feuerzangenbowle“ von 1944 in der Vorweihnachtszeit 2016 nicht im Unipark gezeigt werden durfte.

Wir von der StV KoWi möchten euch diesen Beitrag von Martina Thiele nicht vorenthalten, sondern eine Plattform zum gegenseitigen Austausch bieten. An dieser Stelle sei aber noch einmal betont, dass die StV öffentliche Debatten unterstützt, selbst jedoch keine Stellung bezieht. Für den Inhalt sind die jeweiligen Autoren und Autorinnen verantwortlich.

Wenn auch du eine Meinung zu dem Thema hast, teil sie uns gerne als Kommentar mit.

Kommentar_PUNKT. 01/2017

One Response to “Kommentar: „Unterhaltende Propaganda“

  • Frau Thiele,

    es stimmt: Der Film „Die Feuerzangenbowle“ diente in den letzten Kriegstagen auch zu Propagandazwecken, vor allem zur Ablenkung der Bevölkerung von den Zerstörungen durch die immer näher rückenden allierten Kräfte, aber auch die Verbrannte-Erde-Politik von Hitler und dem Elend allgemein.

    Allerdings muss man hier auch einige Dinge bedenken, die sie womöglich nicht bedacht haben: Da der Filmbetrieb im NS-Regime bereits einer der ersten Bereiche war, der gleichgeschaltet wurde, müssten Sie damit theoretisch jeden Film aus der Zeit von 1933-1945 auf eine schwarze Liste stellen. Das wird aber aus guten Gründen nicht gemacht, weil so ein Pauschalurteil ungerecht für manche Filme und Schauspieler wäre, beispielsweise die Filme mit Hans Albers, der ja bekannterweise zwar auch mitgespielt hat, um nicht an der Ostfront zu enden, wo er als Ehemann einer jüdischen Schauspielerin sicher gelandet wäre (und sie dann nicht mehr hätte schützen können).

    Und es verkennt auch, dass anders als bei Filmen wie „Jud Süß“, die eindeutig politischer Natur bis heute geblieben sind und somit wirklich als „Propagandafilme“ angesehen werden können, die Propagandafunktion der Unterhaltungsfilme nach dem Krieg ein Ende gefunden hat: Wo kein Krieg, kein NS-Regime, von dem ein Film ablenken kann, da ist der Film dann reine Unterhaltung.

    Wir sollten uns auch den Inhalt des Filmes anschauen: Worum geht es in der Feuerzangenbowle: Es geht wie sie beschreiben um eine Komödie und nebenbei kommen grade die Lehrer, die so zackig stolz daherkommen, schlecht weg im Film, was dem Film fast ein Verbot durch das Reichsschulministerium einbrachte. Der Film wurde nur darum erlaubt, weil Rühmann bekannterweise persönliche Beziehungen zum NS-Regime hegte – vor allem, um weiter seinen Beruf machen zu können und nicht wie viele der Schauspieler nach dem Dreh an der Ostfront zu enden, das mag entschuldigend klingen, aber wir sollten als Nachkriegsgeborene, die wir die Situation von damals nicht emotional einschätzen können, nicht aburteilen über die Handlungen der damaligen, wenn sie sich nur der Kollaboration, aber nicht der Täterschaft schuldig gemacht haben -, aber Hitler mochte auch „Der Große Diktator“, wie man aus persönlichen Aufzeichnungen weiss und der Film gilt bekannterweise als Anti-NS-Film. Vielleicht ist da die Einschätzung der Menschen der Vor-68er-Zeit, die sich sagte, dass es sie nicht von der NS-Zeit unterscheiden würde, wenn sie jeden Nazi-Kollaborateur mit lebenslangem Berufsverbot und der Diffamierung seiner Werke belegen würden, doch besser als die der 68er Generation, die da ja bekannterweise intoleranter (also weniger erduldend) war.

    Das sind aber alles Dinge, die in der Kinoveranstaltung, da kenne ich Max Wagner gut genug, vorgebracht worden wären. Das tragische ist vor allem, dass die Ablehnung der Uni so zeitnah passierte, dass die StV Anglistik keinen Einspruch mehr einlegen konnte (man könnte fast Absicht vermuten), oder sich hätte erklären können. Und sowas sollte eigentlich nicht sein an einer Universität, wo es um die Diskussion unter gleichen geht, nicht um eine über allen thronende Verwaltung, die die Eigeninitiativen der Studierenden untergräbt. Das wäre dann eher ein totalitäres Regime, dass keiner wirklich möchte.

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